Seit 60 Jahren ist Oettinger bereits in der Tuning-Branche vertreten. Es gibt nicht viele Betriebe in diesem Segment, die auf eine so lange Tradition zurückblicken können. Gerade im Motorenbereich ist dieser Wissensschatz besonders wertvoll, denn Fehler können hier sehr schnell teuer werden. Darum betreibt Oettinger auch heute noch aufwändige Tests, um jedes Risiko im Vorhinein auszuschließen. Das wird gerade bei unserem aktuellen Testkandidaten, dem Audi A4 Avant 3.0 TDI, deutlich.
© Foto: Speed Heads
Der ehemals 204 PS und 450 Nm starke Diesel glänzt nach der Oettinger-Kur mit satten 260 PS und 515 Nm Drehmoment, ein starker, mit Bedacht ins Seriensteuergerät programmierter Zuwachs. Beim Betrachten der Leistungskurve fällt auf, dass hier auf einen sanften Anstieg des Drehmoments und auf die Vermeidung von sogenannten Leistungsspitzen geachtet wurde. Warum? Dem Motor und dem Antriebsstrang zuliebe. Plötzlich auftretende Kräfte können direkt den beweglichen und indirekt den unbeweglichen Teilen schaden. Gerade bei Allrad-Fahrzeugen ist diese Gefahr besonders hoch. Viele unerfahrene Tuner pressen das letzte Quäntchen Leistung aus dem Motor, um bei den Maximalwerten die Nase vorn zu haben. Eine Entscheidung, die langfristig Konsequenzen für den Kunden haben könnte.
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Doch von der grauen Theorie zur schönen Praxis. Schon von außen suggeriert der Oettinger A4 Avant seine sportlichen Ambitionen. Durch das eigenständige Design der Frontschürze avanciert der Kombi schon im Stand zu einem echten Dynamiker. Der große Audi-Grill durfte sich ebenfalls einer dezenten Modifikation erfreuen, während neue Seitenschweller dem Wagen optisch mehr Tiefe geben.
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Die Heckschürze fügt sich schlüssig in das Gesamtkonzept und rahmt die Endrohre der Sportauspuffanlage durch ihre Aussparungen optimal ein. Dank des Rußfilters können keine dunklen Diesel-Wölkchen den Blink auf das Heck vernebeln. Die hier montierten 19-Zoll-Alu-Felgen hören auf den Namen RE. Das klassische Fünfspeichen-Design unterstützt den sportlich-eleganten Auftritt des Oettinger A4. Alles in allem wirkt der Oettinger Avant in seinem Charakter deutlich geschärft, aber immer noch angenehm unaufdringlich.
Im Innenraum herrscht der übliche Audi-Chic, der keinen Grund zur Kritik bietet. Schon beim Starten lässt der jetzt etwas sonorere Klang des Motors den Kenner aufhorchen. Der Geräuschpegel entspricht dabei der Serie. Wir lassen die Tiptronic vorerst in der Automatik-Funktion ihren Job machen; denn so wird sie von 95% der Fahrer im Alltag genutzt.
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Schon vom Start weg schiebt der Avant ordentlich an. Die Turbo-Gedenksekunde ist auf ein Minimum reduziert und die Beschleunigung wirkt nicht nur kräftiger, sondern auch homogener. Befehle vom Gasfuß werden direkter umgesetzt. Bereits bei 1.200 Touren ist ordentlich Power vorhanden, doch ab 1.800 U/min scheint man auf einer großen Drehmomentwelle zu surfen. Bis 3.800 Umdrehungen steht dem Fahrer das volle Drehmomentpotenzial zur Verfügung. Nach jedem Schaltvorgang gibt es einen perfekten Ganganschluss, so dass es ohne jegliche Verzögerung zügig nach vorne geht. Rein nach Gefühl tummeln sich hier mehr als die von Oettinger angegebenen 515 Nm.
Die Messwerte belegen das Erfahrene: Aus dem Stand erreicht der Kombi bereits nach 6,7 Sekunden Tempo 100 und nach weiteren 23,4 Sekunden stehen bereits 200 km/h auf dem Messgerät. Die Endgeschwindigkeit wird eher durch die Tiptronic sowie den Allradantrieb begrenzt als durch die vorhandene Motorkraft. Trotzdem ist der Kombi mit 249 km/h rund 20 km/h schneller als der Serien-Avant.
© Foto: Speed Heads
Um den dazu gewonnenen Elan weiter in Fahrspaß und Performance umzusetzen, verbaute Oettinger ein in der Höhe einstellbares Gewindefahrwerk. Es macht einen ausgewogenen Eindruck und reagiert sehr feinfühlig auf kleine Unebenheiten. Bei langen Bodenwellen kann die Feder-Dämpfer-Kombination überzeugen. Sie ist zwar straff und mitteilsam, verzichtet aber auf unnötige Härte. Auch in schnellen Passagen verliert man nicht das Vertrauen in die Fähigkeiten des Avants. Präzises Einlenkverhalten und deutlich geminderte Bewegungen des Aufbaus fördern diesen Eindruck.
Auch der Grip der 19-Zoll-Bereifung trägt entscheidend zum enormen Kurvenpotenzial des Audis bei. Enge Kurven durcheilt der Diesel zwar noch mit deutlich gesteigerter Performance, aber das durch den Serien-Luxus hohe Gewicht wird dort schließlich spürbar - Straßenfahrzeuge brauchen halt mehr Ausstattung als ein puristischer Rennwagen. Doch die Kombination aus dem spontan-kraftvoll agierenden Motor mit dem ausgewogenen Fahrwerk lässt einen förmlich nach der nächsten Land- oder Passstraße gieren. Selbst bei leicht feuchter Strecke, wo vergleichbare Fahrzeuge mit Front- oder Heckantrieb schon lange kapitulieren müssten, macht der Oettinger A4 viel Freude, mit dem Optik-Paket sogar noch unter dem Car-Port oder in der Garage. Der Oettinger Audi A4 Avent erweist sich als echter Allrounder mit Sportqualitäten.
Likwit
19.10.2006
Die Frontschürze gefällt mir sehr gut. Und die Felgen sind auch wirklich nice, aber sollten sie lieber matt verchromt sein, an einem silbernen Fahrzeug. Diese Felgen würde ich eher für ein schwares Gefährt wählen.