Entscheidet die Zuverlässigkeit die WM?

, 27.09.2012

Adrian Newey erklärt, dass die Lichtmaschinen-Angst auch in Singapur nicht gebannt war, Sebastian Vettel will aber nicht vom Defekt eines Rivalen profitieren

Die Zuverlässigkeit der Boliden hat dem aktuellen WM-Klassement seinen Stempel aufgedrückt. In Führung liegt mit Fernando Alonso ein Pilot, der bisher in keinem Rennen Opfer eines technischen Defektes wurde. Verfolger Sebastian Vettel steht jedoch auf Kriegsfuß mit dem Defektteufel: Bereits zwei Mal musste er seinen RB8 mit kaputter Lichtmaschine abstellen - ohne die Pannen hätte er 33 Punkte mehr auf dem Konto und würde die WM anführen.

Auch die beiden McLaren-Piloten haderten zuletzt mit der Haltbarkeit ihrer Boliden: Jenson Button schied in Monza wegen eines Problems mit der Benzinzufuhr aus, Lewis Hamilton musste in Singapur in Führung liegend wegen eines Getriebedefektes aufgeben.

Vettel ahnte Hamilton-Ausfall nicht

Als der McLaren vor Vettel in Probleme geriet, ahnte der Red-Bull-Pilot zunächst nicht, dass Hamilton gleich ausrollen würde. "Er wurde ja nicht wirklich langsamer", erklärt er gegenüber 'ServusTV'. "Das hat sich jetzt nicht schleichend bemerkbar gemacht. Das einzige Indiz war, dass ich etwas Öl auf das Visier bekam, aber ich wusste nicht, ob das von ihm oder von einem überrundeten Fahrzeug kommt. Als ich dann gesehen habe, dass immer mehr Öl aus seinem Auto herauskommt, war es klar, dass er anscheinend ein Problem hat."

Dennoch wäre durchaus möglich gewesen, dass Hamilton weiterfahren kann, denn ein Ölverlust "heißt nicht immer zwangsläufig, dass er das Rennen aufgeben muss. Erst als er dann natürlich langsamer wurde, war klar, dass er ein größeres Problem hatte."

Lichtmaschinen-Unsicherheit auch in Singapur

Eine Situation, die Vettel dieses Jahr zu vertraut ist. Dementsprechend groß war die Erleichterung, als der Weltmeister als Sieger über die Ziellinie fuhr, schließlich hatte Renault nur wenig Zeit, um das Lichtmaschinenproblem nach Monza in den Griff zu bekommen. Und der Kurs in Singapur galt wegen der enormen Hitze und der für die Kühlung ungünstigen langsamen Kurven als Angststrecke.

War man im Hause Red Bull sicher, dass es kein erneutes Lichtmaschinenproblem gibt? "Absolut sicher kann man da natürlich nicht sein", gibt Technikchef Adrian Newey gegenüber 'ServusTV' zu. "Ich denke aber, dass das Notwendige getan wurde, um das zu verhindern."

Laut Newey war Red Bull diesbezüglich auf Renault angewiesen, schließlich habe man darauf "keinen unmittelbaren Einfluss". Die in Singapur eingesetzte Lichtmaschine war ein Teil aus dem Jahr 2011, das sich - so der Technikchef - "im Grunde gar nicht von der kaputt gegangenen Lichtmaschine unterscheidet - es ist nur eine andere Charge. Die Toleranzen und alles andere deutete darauf hin, dass diese zuverlässig ist, während die Lichtmaschine von 2012 etwas anfälliger ist."

Vettel wünscht Rivalen keine Defekte

Dennoch läuft Red Bull durch die zwei Pannen nun einem Rückstand hinterher, und es ist bekannt, dass Rivale Alonso stets das Maximum aus seinem Ferrari herausholt. Wird die Zuverlässigkeit beim Versuch der Titelverteidigung also zum Sargnagel? "Schwer zu sagen, denn das hängt immer davon ab, in welcher Position man ist", ist Vettel unschlüssig.

Er weiß aber, dass sich sein Team keine Defekte mehr leisten kann: "Fakt ist, dass wir weiter ganz vorne fahren müssen und die Rennen beenden müssen. Wenn uns das gelingt, dann haben wir glaube ich eine gute Chance." Auch Defekte der Rivalen würden Vettel freilich in die Hände spielen. Der WM-Zweite zeigt sich aber sportlich fair: "Einen Ausfall wünscht man niemandem. Ich denke, es war schade, dass Lewis ausgefallen ist, aber das ist nun einmal so. Es ging und diese Saison auch schon ein paar Mal so, und wir hoffen, dass es nicht mehr passiert."

Entwicklung: Newey setzt auf Detailarbeit

Große Risiken wird man im Saisonendspurt auch bei der Fahrzeugentwicklung nicht mehr eingehen, stellt Newey klar: "Wir konzentrieren uns ehrlich gesagt auf das Übliche. Da kommt nichts völlig Neues mehr. Man versucht, für jedes Rennen das Maximum herauszuholen, wenn man noch etwas entwickeln kann."

Neben neuen aerodynamischen Teilen stehen nach wie vor die Reifen im Vordergrund. "Man muss verstehen, wie man damit umgeht. Dieses Verständnis haben wir derzeit noch nicht hundertprozentig, das gilt aber auch für die anderen", glaubt der Stardesigner.

Mark Webber rechnet bei den kommenden Rennen in Japan und Südkorea mit einer starken Red-Bull-Performance. "Wir waren da auch in der Vergangenheit sehr stark, obwohl man daraus natürlich nicht viele Schlüsse auf die gegenwärtige Situation ziehen kann", sagt der "Aussie" gegenüber 'ServusTV'. Er rechnet damit, dass man dem zuletzt dominierenden McLaren-Team die Stirn bieten wird können: "Wir sollten absolut vorne mitfahren."

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