Familie Bianchi leidet mit Jules: "Jeder Tag ist Folter"

, 12.04.2015

Vater Philippe spricht über seine Qualen und die ersten Reflexe seines Sohnes - Möglichen Verantwortlichen droht er: "Sie werden dafür bezahlen"

"Jeder Tag ist Folter", sagt Philippe Bianchi dem 'Nice-Matin' ein halbes Jahr nach dem Unfall seines Sohnes Jules über den schlimmsten Moment seines Lebens und die Leidenszeit danach. Seit dem 5. Oktober 2014 bröckelt die Welt jeden Tag ein Stück: Bianchi, der in einer Klinik in Nizza im Koma liegt, atmet selbstständig, die Organe funktionieren ohne fremde Hilfe, doch das Bewusstsein hat er seit dem Crash nicht wiedererlangt. "Jules absolviert jeden Tag einen Marathon", weiß der Vater.

Auf Berührungen reagiert Bianchi. Zumindest manchmal. Er greift die Hände seiner Angehörigen, wenn sie seine umfassen. "Manchmal ist er aktiver und bewegt sich mehr", berichtet der Vater, der genau wie Mutter, Schwester, Bruder und Freundin täglich ans Krankenbett kommt. "Aber ist das echt oder sind es Reflexe? Es ist kaum zu sagen", erklärt Philippe Bianchi verzweifelt. Doch selbst diese Hoffnungsschimmer kommen einem Wunder gleich, gemessen an dem, was die Angehörigen in Japan erfuhren.

Es hätte "keine Hoffnung" gegeben, sagt Bianchi. Die Ärzte stimmten die Familie auf irreparable Schäden ein und rechneten damit, dass der Franzose erst nach einem Jahr transportfähig sein würde. Nachdem er früher als gedacht wieder selbstständig atmete, klappte es nach sieben Wochen mit der Verlegung in seine Heimatstadt Nizza. "Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht", macht sich der Vater Mut: "Wir wissen, dass Fortschritte bei dieser Art von Trauma nur sehr langsam vonstatten gehen."

Philippe Bianchi erinnert sich an die Zeit, zu der sein Filius bei bester Gesundheit war: "Wir sind gemeinsam durch Berg und Tal gegangen. Wir haben jeden Tag miteinander kommuniziert, direkt, am Telefon oder via SMS. Es dauerte einen Sekundenbruchteil und alles war zusammengebrochen." Er stellt sich selbst die Fragen, die sich alle Formel-1-Fans stellen: "Wird er es schaffen? Wird er behindert sein oder normal leben? So ein Unfall wiegt schwerer als der Tod. Das Leiden kennt kein Ende."

Die Formel 1 verfolgt die Familie nicht mehr live, informiert sich aber über die Geschehnisse in der Königsklasse. Dem Monaco-Grand-Prix will Philippe Bianchi einen Besuch abstatten, aber nicht zum Rennen bleiben. Mit der Atmosphäre würde er nicht klarkommen, glaubt er.

Auch wenn er sich über die Unterstützung und die Botschaften aus dem Paddock freut: Bianchi will, dass Schuldige ausgemacht werden. "Es war eine interne Untersuchung", sagt er über die FIA-Analyse des Unfalls, die er offenbar für gefärbt und nicht objektiv hält. Schließlich war von zu viel Risiko unter gelben Flaggen die Rede.. "Sie beachtet nur diejenigen, die sie initiieren. Sehr gute Leute verteidigen jetzt Jules' Interessen. Ist eines Tages ein Verantwortlicher ausgemacht, wird er dafür bezahlen", droht Bianchi.

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