Red Bull: Der Formel 1 auch bei Misserfolg treu?

, 23.09.2012

Allen Vorurteilen der "Hardcore-Teams" zum Trotz: Derzeit deutet nichts darauf hin, dass Red Bull sein Engagement in der Formel 1 bald beenden wird

Seit 2005 ist Red Bull mit einem eigenen Team in der Formel 1 vertreten, seit 2006 sogar mit zwei. Was früher Jaguar beziehungsweise Minardi war, steht nun unter der Kontrolle des österreichischen Konzerns, für den der Grand-Prix-Sport in erster Linie ein globales Marketinginstrument ist. Denn als "branchenfremder" Energydrink-Hersteller hat Red Bull kein Automotiv-Kerngeschäft.

Das steht im krassen Gegensatz zu Teams wie Ferrari, McLaren oder Williams, für die die Formel 1 die tragende Unternehmens-Säule ist, und auch zu großen Automobilherstellern wie Mercedes, deren traditionsreiche Motorsportprogramme weit über die Grenzen der Königsklasse hinaus gehen. Sobald das Engagement wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergibt, so glauben viele, wird "Oberbulle" Dietrich Mateschitz den Stecker ziehen.

Aber: "Dietrichs Begeisterung und Engagement gegenüber der Formel 1 sind sehr gut dokumentiert", erklärt Teamchef Christian Horner gegenüber 'formula1.com', ohne die Frage zu beantworten, ob Mateschitz' Enthusiasmus leiden könnte, sollte Red Bull keine Weltmeisterschaften mehr gewinnen. Stattdessen bedient er sich der aus der Politik bekannten Strategie, positive Aussagen zum Thema in den Raum zu stellen, ohne konkret auf die eigentliche Fragestellung einzugehen.

Verträge bis 2020 unterschrieben

Ganz getreu nach diesem Schema lässt sich Horner mit folgenden Worten zitieren: "Red Bull ist schon seit vielen, vielen Jahren dabei - zuerst als Sponsor, dann als Anteilseigner und dann als Teameigentümer. Wir hatten in den vergangenen Jahren große Erfolge und haben für die Zukunft eine starke Mannschaft beisammen. Wir sind zuversichtlich, dass wir für die Zukunft genauso gut gerüstet sind, wie wir es jetzt sind."

Die Verträge mit Führungsfigur Sebastian Vettel und den wichtigsten Teammitgliedern laufen bis Ende 2014, jener mit Motorenlieferant Renault sogar bis 2016 - und die Concorde-Vereinbarung mit Bernie Ecclestone, der Mateschitz bereits zugestimmt hat, soll bis 2020 Gültigkeit besitzen. Red Bull konkrete Ausstiegsabsichten zu unterstellen, wäre also absurd. Denkbar höchstens, dass man mittelfristig wieder Toro-Rosso-Anteile an einen Investor verkaufen wird.

Immens wichtig für Red Bulls Engagement in der Formel 1 ist das hervorragende persönliche Verhältnis zwischen Mateschitz und Ecclestone. Dass der Grand-Prix-Zampano den Österreicher schätzt, verwundert nicht, denn abseits der Rennstrecke trägt Red Bull mit nicht ganz billigen Showveranstaltungen oder auch dem hauseigenen Sender ServusTV viel zur Promotion des Sports bei - und der Paddock wäre ohne die beliebte Energy-Station um eine Attraktion ärmer.

Keine Freude mit dem Chassis-RRA

Ein Schlüsselfaktor, wie man Red Bull einen langfristigen Verbleib in der Königsklasse schmackhaft machen könnte, ist das Thema Kosten. Bekanntlich haben die Österreicher gegen ein Ressourcen-Restriktions-Abkommen ein Veto eingelegt, weil man der Meinung ist, dass nicht nur die Chassis-, sondern auch die Motorenausgaben reglementiert werden sollten. Hintergrund: Wenn Adrian Newey sparen muss, dann gefälligst auch die Mercedes-Motorenbauer in Brixworth...

"Erfolg ist entscheidend, aber nicht um jeden Preis", sagt Horner. "Uns ist sehr bewusst, dass die Kosten in der Formel 1 kontrolliert werden müssen, und Stabilität der technischen und sportlichen Regeln ist der beste Weg, das zu erreichen. Wir wollen, dass die Kosten, die man ausgeben muss, um konkurrenzfähig zu sein, reduziert werden - da sind wir nicht anders als alle anderen Teams. Hoffentlich gibt es in den nächsten paar Wochen und Monaten positive Diskussionen."

Red Bull arbeitete bereits Ende der 1980er-Jahre mit dem damaligen Ferrari-Piloten Gerhard Berger zusammen, später wurde Mateschitz Sponsor von Teams wie Sauber, Arrows und Jaguar. 1999 kaufte er dem Geschäftsmann Fritz Kaiser sogar Anteile an Sauber ab. 2004 schließlich übernahm Red Bull das Jaguar-Team von Ford und ein Jahr später Minardi von Paul Stoddart. Seit Bergers Toro-Rosso-Ausstieg im November 2008 ist Red Bull wieder 100-Prozent-Teilhaber beider Rennställe.

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