Vettel: Realistisch betrachtet ist der WM-Titel futsch

, 03.07.2014

Sebastian Vettel steckt im WM-Kampf zwar noch nicht komplett auf, glaubt aber nicht an ein baldiges Aufholen des Rückstands auf Mercedes

Als Sebastian Vettel zum Grand Prix von Großbritannien 2013 reiste, führte er die Weltmeisterschaft mit 36 Punkten Vorsprung auf Ferrari-Pilot Fernando Alonso an. Am Renntag in Silverstone musste der Red-Bull-Pilot dann zwar einen Ausfall verkraften, auf dem Weg zum vierten WM-Titel in Folge war der damals dreimalige Weltmeister aber nicht aufzuhalten.

Wie sich am Jahresende herausstellen sollte, blieb der Getriebeschaden in Silverstone Vettels einziger Ausfall in der gesamten Saison 2013. Mit neun Siegen bei den letzten neun Rennen drückte er der letzten Saison der V8-Saugmotor-Ära klar seinen Stempel auf.

Anfang Juli 2014 sieht die Welt für Vettel freilich anders aus. Diesmal kommt er nach bereits drei Ausfällen nur als Fünfter der Punktewertung zum Grand Prix von Großbritannien. Der Rückstand auf WM-Spitzenreiter Nico Rosberg (Mercedes) beträgt stolze 105 Punkte. Angesichts dieser Ausgangslage glaubt Vettel nicht mehr, in diesem Jahr seinen fünften WM-Titel in unterbrochener Reihenfolge an Land ziehen zu können.

Mercedes-Kollision unwahrscheinlich

"Realistisch betrachtet befindet sich Mercedes in einer Position, aus der sie jedes Rennen gewinnen können. Sie können im Grunde bei jedem Rennen mit ihren beiden Autos auf den Plätzen eins und zwei ins Ziel kommen, außer es läuft etwas grundlegend schief. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Rückstand aufholen und wir wollen sicherstellen, dass wir sie schlagen - lieber früher als später. Der Rückstand ist aber sehr groß. Das macht es natürlich schwierig, in kurzer Zeit aufzuholen", analysiert Vettel.

Für das Rennen an diesem Wochenende in Silverstone an diesem Wochenende ist der Red-Bull-Pilot zurückhaltend optimistisch: "Prinzipiell ist das eine Strecke, die uns in den vergangenen Jahren eher entgegengekommen ist. Es hat aber auch hier wieder viele Geraden und auf Geraden braucht man Power. Da tun wir uns im Moment ein bisschen schwer. Ich hoffe aber, dass wir wieder ein bisschen näher dran sind als wir es in Österreich waren."

Mit einer Kollision der beiden Mercedes-Piloten Rosberg und Lewis Hamilton rechnet Vettel nicht unbedingt. "Ich glaube, dass beide ziemlich clever sind und schon genug Rennen gefahren sind um zu wissen, wo die Grenze ist. Im Eifer des Gefechts kann natürlich immer mal was in die Hose gehen, aber ich glaube, das beide reif genug sind und schon oft genug gegeneinander gefahren sind, speziell auch in diesem Jahr. Ich denke, sie können damit gut umgehen", urteilt der Weltmeister und kommt zum Schluss: "Letzten Endes ist es mir eigentlich egal. Ich schaue mehr auf uns."

Neue Ziele im Jahr eins nach Titel Nummer vier

Auf eine Verteidigung seines WM-Titels habe er sich aber "ohnehin zu keinem Zeitpunkt der Saison zu sehr konzentriert", wie Vettel gesteht. Seine beste Platzierung mit dem Red Bull RB10 sind bis dato die dritten Plätze in Sepang und Montreal. Mit konsequenter Weiterentwicklung des Boliden soll in dieser Saison zumindest noch ein Schritt nach vorn gelingen.

"Ich habe schon immer von Rennen zu Rennen gedacht und versucht, das Beste aus mir und dem Auto herauszuholen. Daran hat sich nichts geändert. Rein mathematisch betrachtet, können wir noch immer um den WM-Titel kämpfen. So gesehen wäre es dumm zu sagen, wir sind weg vom Fenster. Wenn sich die Dinge verändern und man plötzlich wieder im WM-Kampf drin ist, nimmt man das natürlich gerne an. Realistisch betrachtet ist der Rückstand aber wie schon gesagt sehr groß und wir haben uns bisher schwergetan, große Schritte zu machen."

"Das Ziel muss es daher für das gesamte Team sein, einen besseren Job zu machen. Das gilt für uns, für Renault und für alle, die einen Anteil daran haben. Wir wollen die Lücke schließen. Ob uns das bis zum Saisonende gelingt, werden wir sehen", sagt Vettel und spricht nach vier WM-Titel in Folge, mit der äußerst geringen Aussicht auf einen fünften in diesem Jahr, von "einem Teil des Spiels, man erlebt gute Zeiten und man erlebt schlechte Zeiten, so ist das Leben".

Vorfreude auf drittes Heimspiel in Folge

"Wir hatten natürlich schon einen denkbar schwierigen Start ins Jahr", blickt der Red-Bull-Pilot noch einmal auf die Wintertestfahrten in Jerez de la Frontera und in der Wüste von Sachir zurück, wo der RB10 mit Renault-Antrieb im Heck des Öfteren liegenblieb - wenn er überhaupt fuhr. "Die Vorbereitung war nicht ideal. Es war ja nicht so, dass es aus dem Nichts kam", spricht der Weltmeister seine gegenwärtige Serie von Enttäuschungen an, hält aber fest: "Wir waren oft erster Mercedes-Verfolger. Es gibt andere Teams, die schlechter dastehen als wir."

Die britischen Stammfahrer Hamilton, Jenson Button und Max Chilton sowie Freitagsfahrerin Susie Wolff erleben an diesem Wochenende in Silverstone, was es heißt, im Mittelpunkt des Medieninteresses zu stehen. Vettels Heimspiel, der Große Preis von Deutschland in Hockenheim, steht in zwei Wochen auf dem Programm. Im Hinblick auf den Trubel, der ihn dort erwartet, gibt sich der Red-Bull-Pilot entspannt: "Ich würde es als positiven Stress bezeichnen. Normalerweise beflügelt es einen."

"Wir haben ja quasi drei Heimrennen hintereinander", spricht Vettel auf die beiden Red-Bull-Heimrennen in Österreich und Großbritannien sowie sein eigenes in Deutschland an und hält fest: "Die Unterstützung der Fans zu spüren, ist immer toll. Im vergangenen Jahr konnte ich mein Heimrennen gewinnen. Das könnte diesmal etwas schwieriger werden, aber ich werde es mit Sicherheit versuchen."

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