Mosley: "Das größte Versagen meiner Präsidentschaft"

, 26.10.2012

Der frühere FIA-Präsident Max Mosley bedauert, dass er in seiner Amtszeit keine Ordnung ins Formel-Chaos brachte, vertraut aber der Arbeit von Gerhard Berger

Selbstkritische Worte von Max Mosley. Der ehemalige Präsident des Automobilweltverbands (FIA) gibt sich selbst eine Mitschuld an der unübersichtlichen Situation bei den Nachwuchsformeln. "Das vielleicht größte Versagen meiner Präsidentschaft - oder vielleicht der Bereich, den ich unerledigt zurückgelassen habe - ist, dass es keinen klaren Weg vom Kartsport in die Formel 1 gibt", sagt Mosley im Gespräch mit 'Sky Sports F1'.

Mit dem im Rahmenprogramm der Formel 1 fahrenden GP2, der Renault-World-Series (WSbR) und der von der FIA organisierten Formel 2 gib es derzeit mindesten drei Klassen, die um die Rolle als Sprungbrett in die Formel 1 kämpfen. Eine Ebene tiefer konkurrieren die Formel 3 und die GP3 miteinander. Aus sportlicher Sicht ist die Lage derzeit unübersichtlich. Während einige Jahre lang die GP2 als Königsweg in die Formel 1 galt, ist ihr in den vergangenen Jahren mit der WSbR eine spürbare Konkurrenz erwachsen.

So wechselten in diesem Jahr mit Jules Bianchi und Sam Bird gleich zwei Formel-1-Testfahrer von der GP2 in die WSbR, auch um Terminkollisionen mit ihren Verpflichtungen bei der Formel 1 zu vermeiden. Interessantes Detail am Rande: Während der aktuelle Meister der WSbR, der Niederländer Robin Frijns, beim Young-Driver-Test der Formel 1 Anfang November in Abu Dhabi sowohl für Sauber als auch für Red Bull testen wird, kommt GP2-Champion Davide Valsecchi nur bei Lotus zum Zuge.

Trend geht zu GP2-Profis

Dem Italiener droht derzeit das Schicksal seines Landsmanns Giorgio Pantano, der als bisher einziger Meister der GP2 (2008) nicht den Sprung in die Formel 1 schaffte. Ohnehin wird die GP2 ihrem Ruf als Nachwuchsformel nur bedingt gerecht. Neben Premieren-Meister Nico Rosberg gelang nur Lewis Hamilton und Nico Hülkenberg der Titelgewinn im ersten Jahr in der Serie. Timo Glock, Pantano und Romain Grosjean hatten beim Gewinn ihrer GP2-Titel bereits Formel-1-Rennen bestritten, während Pastor Maldonado und Valsecchi im vierten, bzw. fünften Jahr in der GP2 Meister wurden.

Den Trend in der GP2, immer häufiger erfahrenen Piloten den Vorzug vor jungen Talenten zu geben, kritisiert auch Mosley: "Es gibt aber viele Menschen, die das Interesse haben, mit Dingen wie der GP2 oder gewissen Herstellerformeln Geld zu machen. Sie wehren sich natürlich. Als Weltverband sollte man aber sagen: 'Macht doch so viel Geld wie ihr wollt mit eurer Serie, aber wir sorgen für einen klaren Weg, dem alle folgen - zumindest bis zu einer Superlizenz in der Formel 1'."

Mosely: Berger wird es richten

Mit der Formel 2 wollte die FIA einen solch klaren Weg vorzeichnen, allerdings wurde dieses Ziel bisher verfehlt. Fahrern wie Andy Soucek und Mirko Bortolotti öffnete der Formel-2-Titel keine Türen. Anders sieht es mit einigen Meistern der WSbR. So schafften Robert Kubica (Formel 1), Bertrand Baguette (IndyCars/WEC) und Robert Wickens (DTM) den Sprung in Top-Serien des internationalen Motorsports.

Neben den unklaren Strukturen sind Mosley die hohen Kosten - für ein Cockpit in einem Spitzenteam der GP2 muss der Pilot rund 1,5 Millionen US-Dollar mitbringen - ein Dorn im Auge. "Dieser Weg darf nicht teuer sein. Je weniger kostspielig es ist, desto mehr Leute haben eine Chance und desto mehr Talente wird man finden", so der Brite. "Das fehlt leider, es ist aber absolut offensichtlich, dass dies benötigt wird."

Mosley bedauert: "Ich hatte nie die Zeit, das zu erledigen, aber ich denke, dass Gerhard Berger jetzt daran für die FIA arbeitet, und jetzt tut sich etwas." Berger leitet seit diesem Jahr die Formel-Kommission der FIA. In einem ersten Schritt möchte der Österreicher im kommenden Jahr die verschiedenen Formel-3-Serien in Europa in einer Europameisterschaft zusammenfassen, wie Berger im Interview mit 'Motorsport-Total.com' erklärte.

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